Was ist Systemisches Denken?

Der systemische Ansatz in der Beratung erfreut sich im Unternehmenskontext immer größerer Beliebtheit. Von der ursprünglich psychotherapeutischen Methode lassen sich viele Herangehensweisen und Überlegungen auch auf Probleme oder Konflikte in Unternehmen übertragen.  

Systemisch – Was genau bedeutet das? 

Um den Systemischen Ansatz zu verstehen, ist die Grundlage, nämlich das System, von großer Bedeutung. Dieses besteht aus zusammenhängenden Objekten oder Elementen, die durch Beziehungen verbunden sind und sich somit von der Umwelt abgrenzen (Quelle). Im Unternehmenskontext lässt sich das auf einzelne Teams inklusive Führungskräften übertragen. Genauso kann aber auch eine Abteilung als System verstanden werden, in Abhängigkeit davon, wie stark der Austausch und die Kommunikation ausgeprägt ist. Der systemische Ansatz versucht dann, das Verhalten aus den vorhandenen Beziehungen zu erklären. Darunter fallen wiederholende alltägliche Verhaltensweisen, aber eben auch solche, die zu Konflikten führen können oder als Herausforderungen verstanden werden. 

Die konkrete Vorgehensweise kann ganz unterschiedlich aussehen, in Einzel- oder Mehrpersonensettings werden Probleme erst verstanden und dann gelöst. In der Beratung steht dabei die Kommunikation zwischen den Mitgliedern des Systems im Vordergrund. Dabei spielen gezielte Fragen eine besondere Rolle, die den systemischen Ansatz deutlich machen.  

Systemische Fragen 

Diese Fragen können beispielweise auf Verhaltensweisen in einem bestimmten räumlichen oder zeitlichen oder Beziehungskontext abzielen („Zeigt sich der Mitarbeitende gegenüber einer bestimmten Person oder Aufgabe unmotiviert?“). Auch lösungsorientierte Wunderfragen („Wenn eine Fee heute Nacht das Problem wegzaubere, wer würde das zuerst bemerken?“) werden häufig verwendet, um sich den Herausforderungen losgelöst von wahrgenommen Barrieren anzunähern. Zirkuläre Erklärungsfragen („Wie erklärt sich Kollegin XY Dein Verhalten?“) helfen ebenfalls bei der Informationsgewinnung. Diese forcieren einen oft hilfreichePerspektivwechsel, durch den neue Herangehensweisen erschlossen werden können. 

Annahmen im Systemischen Denken 

Weitere wichtige Annahmen für das Verständnis des Systemischen Denkens sind zum einen 

  1. eine zirkuläre Kausalität. Das bedeutet, dass Mitglieder des Systems gleichzeitig füreinander Ursache und Wirkung ihres Verhaltens sind. Ursache und Wirkung bedingen sich also gegenseitig und sind nicht klar voneinander zu trennen. 
  2. Außerdem wird das Vorhandensein von Kommunikation vorausgesetzt. Hierbei sind vor allem Differenzen von gesendeten und empfangenen Botschaften zu betrachten. Die Frage „Du machst Feierabend?“ kann von der Führungskraft einfach nur als Nachfrage gesendet werden, von der Mitarbeiterin aber als Aufforderung, noch länger zu bleiben aufgefasst werden. Hier fühlen sich einige bestimmt an das 4-Ohren-Modell von Schulz von Thun erinnert – dieses verliert auch in diesem Kontext nicht an Aktualität. 
  3. Zudem werden Systeme durch regelhafte Beziehungsmuster beschrieben. Damit gemeint sind beispielsweise sich wiederholende Abläufe in der Kommunikation, die in Unternehmensstrukturen meist vorhanden sind. 
Systemisches Denken wird anhand eines Netzwerkes bestehend aus verbundenen Personen verdeutlicht. Diese Beziehungen zeigen, dass die Elemente im System verbunden sind und sich von der Umwelt abgrenzen.
Systemisches Denken bezieht sich auf ein System, in dem die einzelnen Elemente durch Beziehungen verbunden und somit von der Umwelt abgegrenzt sind.
Systemische Führung

Systemische Ansätze können natürlich auch in der Führung eingesetzt werden, auch hier haben sie sich in den letzten Jahren etabliert. Das Systemische Denken steht dabei im Gegensatz zu traditioneller Führung, die auf starken Hierarchien, einem Machtgefälle und Top-Down Prozessen basiert.  

Möchte man das Systemische Denken in der Führung verankern, stehen vor allem Selbstorganisation, Partizipation und lockere Kontrolle im Vordergrund – das System, also hier das Unternehmen, kann nach diesem Ansatz nicht vollständig top-down gesteuert werden. Das Gesamtverständnis des Unternehmens als System mit vielen unterschiedlichen und komplexen Beziehungen bildet die Grundlage für die Etablierung Systemischer Führung. 

Zudem können in der Mitarbeitendenführung systemische Fragen oder Kommentare eingesetzt werden, die Basis dafür bilden die auch in Beratungssettings etablierten Techniken und Interventionen, die dann an spezifische Situationen angepasst werden können.  

Potenzial systemischer Ansätze im Unternehmen 

Das wohl größte Potenzial des Systemischen Denkens im Unternehmen liegt also im Perspektivwechsel und in der neuen Herangehensweise. Oft werden Konflikte, wenn sie aktiv in Angriff genommen werden, immer auf eine ähnliche Art und Weise gehändelt. In der aktuellen Situation können Führungskräfte aber verständlicherweise auch gänzlich mit den neuen Herausforderungen überfordert sein. Denn die Führungsaufgabe hat sich geändert. Genau das erfordert Offenheit gegenüber neuen Methoden. Ursachen vielleicht bereits festgefahrener oder neuer Probleme müssen nämlich erkannt und verändert werden. Meist verstecken sich unter den offen angesprochenen Problemen oder bemerkbaren Veränderungen wie Unmotiviertheit tieferliegende Ursachen, die es genauso zu ergründen gilt. 

Supervision 

Ein Potenzial in der Beratung liegt dabei in Supervisionssettings, in denen Führungskräfte sich mit anderen Führungskräften und auch erfahrenen Coaches über eigene Erfahrungen und Herausforderungen austauschen können. Diese können ganz unterschiedlichen Ursprungs sein, dem einen erscheint die voranschreitende Digitalisierung vielleicht überfordernd – hierbei kann der Erfahrungsaustausch helfen. Eine andere sieht vielleicht in der aktuellen Homeoffice-Zeit bei ihren Mitarbeitenden Defizite in der Motivation. Auch hierbei können gemeinsam Ursachen herausgefunden und dann gezielt angegangen werden. Einen Raum zu schaffen, in dem sich Führungskräfte dabei gelöst vom Arbeitsalltag austauschen und auf Beratung zurückgreifen können, ist dabei ein wichtiger Schritt.  

Interdisziplinärer Ansatz

Auch interdisziplinäre Ansätze können hier helfen, das Systemische Denken mit New Work Konzepten oder Erkenntnisse aus der Motivationsforschung zu verknüpfen. So werden neue Handlungsfelder geschaffen, die in sich optimal ergänzenden Handlungsmöglichkeiten münden. 

Wenn Ihr mehr über den systemischen Ansatz erfahren wollt, schaut gerne bei unserem neuen “Leadership Beyond Work” Workshop vorbei. 

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