Systemische Führung – Drei Ansatzpunkte

Was bedeutet Systemische Führung? 

Die Führungsaufgabe ist vielseitiger und komplexer geworden. Im vergangenen Jahr wurden Führungskräfte mit ganz neuen und mehrfachbelastenden Aufgaben konfrontiert, denen man anders begegnen musste als bisher. (Systemische) Führung veränderte sich, entweder aus proaktiven Bestrebungen oder gezwungenermaßen und so konnten einige besser und andere schlechter mit den Herausforderungen des Jahres umgehen. 

Führung, „ein Sammelbegriff für alle Interaktionsprozesse, in denen eine absichtliche soziale Einflussnahme von Personen auf andere Personen zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben […] zugrunde liegt“ (Quelle). So kann man den Führungsbegriff kurz und knackig definieren – doch die Führungsaufgabe reicht, vor allem in der heutigen Zeit, weit über eine Einflussnahme hinaus. Zusätzlich stellt sich die Frage, wie viel Einfluss Führungskräfte haben sollten und inwiefern Selbstorganisation gegeben sein sollte.  

Autonomie und Geschlossenheit des Systems beachten.
Wie führt man systemisch?

Warum braucht es systemische Führung? 

Nicht nur im letzten Jahr prägten Herausforderungen den Führungsalltag Komplexität im Aufbau, Probleme oder Belastungen sind in modernen Organisationen beinahe Dauerzustand. Prozesse und Strukturen sind dynamischer, instabiler und unvorhersehbarer als noch vor einigen Jahren – das erleben wir selbst und auch unsere Kund*innen verschiedenster Branchen berichten uns davon. 

Die Führungsaufgabe ist daher wichtiger denn je, aber auch anspruchsvoller. Berichtet wird uns von abnehmender Mitarbeiterbindung und fehlender emotionale Nähe und die Angst vor dem Verlieren von Mitarbeitenden im Homeoffice. Einerseits wird mehr Koordination benötigt, andererseits verschwimmen durch flexible Arbeitszeiten, Kurzarbeit und Homeoffice die Kernarbeitszeiten so stark, dass es schwieriger wird sich kontinuierlich auszutauschen. Auch virtuelle Kommunikation, Meetings und generelle Herausforderungen der Digitalisierung werden oft als Probleme thematisiert, fehlende Kommunikationsprozesse und unüberlegte Zusammensetzungen können zu Ineffizienz und Frustration führen. 

Mit Routine und Bürokratie kommt man nicht weit, andere Ansätze werden benötigt. Die Komplexität muss gezielt angegangen werden und das mit innovativen Lösungen, wie dem systemischen Ansatz. 

Vorteile systemischer Führung 

Hier lassen sich die Vorteile systemischer Führung anbringen, vor allem die Berücksichtigung des kompletten sozialen Systems. In diesem System befinden sich nämlich nicht nur Mitarbeitende und Führungskräfte, sondern genauso Kund*innen und Stakeholder, deren Bedürfnisse berücksichtigt werden. Die Führungskraft ist dabei genauso ein Teil des Systems, sie kann also nicht alles von oben durchorganisieren und bestimmen. 

Selbstorganisation wird zugelassen und gefördert – die Führungskraft lenkt zwar weiterhin, aber schafft vor allem den optimalen Rahmen und zeigt den Raum auf, in dem gearbeitet werden kann. Sie lässt autonomes und selbstständiges Arbeiten zu. Das kann sowohl zu Leistungssteigerung aber auch zu mehr Verantwortung auf verschiedenen Ebenen führen. Dabei spielen Kommunikationsprozesse eine große und wichtige Rolle – sie sind der Anker für systemische Führung.  

Umsetzung systemischer Führung 

Die Basis der Umsetzung liegt dabei vor allem in der systemischen Grundhaltung und der Anerkennung der Organisation als System, in dem auch die Führungskraft ein Teil des Ganzen ist. 

Viele Interventionen der systemischen Führung kommen dabei aus dem ursprünglichen Ansatz der Familientherapie. Da vor allem Kommunikationsprozesse im Vordergrund stehen, lassen sie sich gut anpassen und übertragen. Drei wichtige Punkte der Umsetzung werden im Folgenden aufgezählt. 

  1. Autonomie und Geschlossenheit des Systems beachten. 
  2. Akzeptanz fördern und ausleben. 
  3. Gespräche und Kommunikation als zentrale Ansatzpunkte anerkennen. Systemische Fragetechniken anwenden. 

Download “Systemische Fragen in Mitarbeitergesprächen” Systemische-Fragen-in-Mitatbeitergesprächen.pdf – 10-mal heruntergeladen – 105 kB

Systemische Gesprächsführung 

Die systemische Gesprächsführung lebt vor allem von der Lösungsorientierung und der Reflexion. Verschiedene Techniken werden angewandt, um Nachdenken zu fördern, Perspektivwechsel herbeizuführen und neue Denkweisen zu ermöglichen.

Dabei kann beispielsweise Refraiming angewandt werden. Mit der Einbettung eines Problems oder einer Herausforderung in neue Rahmenbedingungen, fällt es leichter neue innovative Lösungen zu finden, als in den gedanklich verfestigten Problembedingungen auszuharren. Diese Umdeutung kann auch dabei helfen, nicht nur die negativen Aspekte zu sehen. Ein Problem oder Konflikt hängt nämlich immer von vielen Faktoren ab. So muss eine negative oder als unfair wahrgenommene Anmerkung nicht immer persönlich genommen werden, es kann auch einfach daran liegen, dass die Person einen schlechten Tag hatte und deshalb so reagiert. 

Akzeptanz fördern und ausleben
Wie führt man systemisch?

Ein weiterer wichtiger Bestandteil liegt in systemischen Kommentaren und Anmerkungen, die stets respektvoll und wertschätzend formuliert sein sollten. Natürlich können negative Situationen nicht blind verschönt werden, darin liegt auch nicht das Ziel – sondern eher in einer authentischen und anerkennend Kommunikation, in der begründete Kritik auch ihren Platz hat.  

Leadership Beyond Work 

Wie man unschwer erkennen kann, liegen in der systemischen Führung viele Potenziale und Ansatzpunkte, die man Stück für Stück in die eigenen Unternehmenskultur und –führung übernehmen kann. Dabei genügt es nicht nur einige Fragetechniken zu übernehmen, der ganzheitliche Ansatz sollte im Fokus stehen. 

Wenn Ihr mehr Interesse an dem Thema habt, schaut gerne bei unseren regelmäßigen Veranstaltungen unter dem Titel „Leadership Beyond Work“ vorbei. Hier dreht sich alles um Systemische Beratung und Führungskräftecoaching. 

 

Quelle: Systemische Führung – Steinkellner 

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